„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“
Mit diesem für ihn mehr als passenden Lebens- und Schulmotto von Martin Buber verabschiedet sich Dr. Wolfgang Michalke Leicht nach 11 Jahren als Schulleiter vom Goethe-Gymnasium.
In einem wahren Verabschiedungsreigen mit diversen Verabschiedungsfeiern mit Kollegium, Schulleitungskolleg/innen, Eltern und Schülerschaft schafften es die Beteiligten einen würdigen Rahmen für seine so prägende Zeit als Schulleiter am Goethe zu finden. Durch alle Veranstaltungen hindurch zog sich ein Thema, ein Leitmotiv: die unglaubliche Wertschätzung und dankbare Anerkennung für alles Geleistete, die alle Beteiligten dem gebürtigen Papenburger immer wieder auf unterschiedlichste Weise zum Ausdruck brachten. Schauen wir einmal auf die verschiedenen Perspektiven:
Wie sahen die Schüler/innen ihren Schulleiter, den sie meistens liebevoll „Michi“ nannten?
„Herr Michalke ist immer da und ansprechbar. Doch zugleich bestimmt er nicht, sondern lässt mitbestimmen und mitgestalten. Er ist immer offen für Vorschläge und Ideen und hat das Goethe zu einem besseren Ort gemacht“. (Benno)
„Er hat sich immer so sehr für uns Schüler eingesetzt!“ (Malou)
„Er hat sich immer Zeit für unsere Anliegen genommen und war offen für unsere Ideen!“

einige Stimmen aus dem Kollegium:
„ In meinen Augen hat Herr Michalke -Leicht unsere Schule mit seiner freundlichen, zugewandten und positiven Art nachhaltig geprägt. Er begegnet Menschen mit Respekt, löst auch schwierige Aufgaben mit Augenmaß und verliert dabei nie den Menschen aus dem Blick…“
„Für uns Lehrkräfte hatte er immer ein offenes Ohr und uns zum Geburtstag eine handgeschriebene Geburtstagskarte überreicht mit sehr persönlichen Worten..“
„ Ich fand es immer wahnsinnig, wie ruhig er sein konnte auch in den stressigsten schulischen Momenten; wie charmant er viele Stressfaktoren, an denen andere verzweifelt wären, einfach weggelächelt hat oder mit „dann ist das halt so…“ an ihren Platz verwiesen hat.“
Und wie sah Stephan Wölbert als stellv. Schulleiter und engster Mitarbeiter seinen „Chef“?
Hier ein Auszug aus seiner Abschiedsrede am letzten Schultag: (Redaktion Schülerzeitung)
Lieber Wolfgang, eine von deinen vielen Aufgaben als Schulleiter ist es, neue Schüler aufzunehmen. Jedes Mal, wenn ein kleiner 5. Klässler mit seinen Eltern bei dir zur Vorstellung auftaucht, ist die Begrüßung immer gleich: als erstes gibst du dem Kind die Hand und erst dann begrüßt du die Eltern. Mit dieser kleinen Geste setzt du direkt ein klares Zeichen des Willkommens und der offenen Begegnung für die neuen Schülerinnen und Schüler.

Das tiefere Verständnis für dieses Handeln und dein Handeln im Allgemeinen wurde mir erst im letzten Jahr im September so richtig klar: Da sagtest du im Rahmen deines Festes während der Andacht den Satz: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, der Satz, der auch auf Deiner Einladung steht.
Na klar, wenn die Begegnung das Entscheidende ist, dann ist Zeit für den Austausch wichtig, ob mit Schülern, Lehrern oder Eltern. Dann nimmt man sie sich einfach. Und ein offizieller Termin oder ein anderer Pflichttermin kann dann ruhig auch mal warten. Dann geht das Zuhören oder die Klärung zwischenmenschlicher Konflikte vor. Dann ist man zwar Chef, aber nicht die Direktive steht im Zentrum, sondern der menschliche Austausch. Begegnung im weitesten Sinne des Wortes ist dein großes Leitmotiv, an dem du dein Handeln in deiner Zeit als Schulleiter ausgerichtet hast. Ein ungewöhnlicher aber sehr weitreichender und schöner Ansatz im Kosmos Schule.
(…) Du hast die tolle Gabe, in vielen Situationen schnell die richtigen Worte, Bilder oder Analogien zu finden. Ich denke auch an die verschiedenen Impulse bei der Eröffnung der GLKs. Du willst damit zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung anregen, dass wir über unsere Tätigkeiten als Lehrkräfte reflektieren und unser Tun hinterfragen. Dies geschieht vor allem im Austausch, oder eben in der Begegnung untereinander und mit den Schülern. Für eine gute Lehrkraft ist das eine Grundvoraussetzung.
Dein Handeln ist geprägt vom Versöhnen und aufeinander Zugehen. Du suchst nach einem Weg, gesichtswahrende Brücken zu bauen. Du startest immer wieder neue Anläufe, um bei Konflikten doch einen positiven Ausgang zu finden. Es braucht sehr lange, wirklich sehr lange, bis du den Schalter für dich umstellst und sagst: „Jetzt habe ich die Nase voll.“ Du bist immer wieder auf die Leute zugegangen und hast ihnen noch mal eine Chance gegeben, den Schülern und den Lehrkräften gleichermaßen.
Das wurde dir manchmal auch als Schwäche ausgelegt. Aber ich glaube, dass diese deine Einstellung im Laufe der Zeit in der Schulgemeinschaft immer mehr anerkannt wurde. Nicht zuletzt deshalb, weil sie uns Kolleginnen und Kollegen ein sehr angenehmes und mit vielen Annehmlichkeiten ausgestattetes Arbeitsklima geschenkt hat. Oder anders ausgedrückt: Die Unannehmlichkeiten, hereingetragen durch Vorschriften und Regelungen der Behörden, für uns viel erträglicher gemacht hat. Für dich waren die viele Gespräche vor allem Begegnungen, die du für dich grundsätzlich erst mal als eine Bereicherung wahrgenommen hast.
Lieber Wolfgang, der Anfang unserer gemeinsamen Zeit war noch geprägt von unterschiedlichen Erwartungen an den jeweils anderen. Im Laufe der Zeit sind die anfänglichen Differenzen - sehr zu meiner Freude - immer mehr in den Hintergrund getreten. Stattdessen rückte das Gemeinsame stärker in den Vordergrund. So konnte sich eine angenehme Selbstverständlichkeit im Austausch miteinander entwickeln. Sie war geprägt von einem sehr großen Vertrauen, von Verständnis und Achtung für den anderen. Das hat mir gerade in schwierigen Zeiten sehr viel Luft gegeben und im Alltag das Arbeiten sehr angenehm gemacht. Dafür bin ich dir von Herzen sehr, sehr dankbar.
Um auf den Anfang meiner Rede zurückzukommen, vielleicht ist die ausgestreckte Hand wirklich eine passende Metapher für dein Wirken. Sie ist ein Zeichen für Offenheit, Wertschätzung und Zugewandtheit, eben Begegnung. Was für ein Glück, dass wir dir begegnen durften!

Aber wie denkt der inzwischen ehemalige Schulleiter über seine Zeit „mittendrin, und nah am Menschen“ am Goethe?
In einem Abschiedsbrief an die Elternschaft formulierte Dr. Michalke-Leicht ein Fazit seiner über 20 Jahre Tätigkeit als Lehrer und Schulleiter am Goethe-Gymnasium:
Liebe Eltern,
seit dem 1.September 2015 bin ich nun (fast) ganze elf Jahre im Amt. Das ist eine lange Zeit, in der sich vieles ereignet hat; es gab Höhen und Tiefen. Das alles aufzuzählen, auch wenn es sich lohnte, würde den Rahmen sprengen.
Stattdessen würde ich gerne drei Dinge ansprechen, dir mir in diesen elf Jahren wichtig waren und es auch immer noch sind.
1. In der allerersten Lehrerkonferenz Anfang September 2015 habe ich formuliert, worauf es mir als Schulleiter ankommt. Ich wünschte mir eine Schule, in der Schüler*innen gut und gerne lernen und in der Lehrer*innen gut und gerne lehren.
Auch wenn es sicherlich nicht immer so gewesen sein mag, habe ich doch den Eindruck, dass das zumindest ein Stück weit den schulischen Alltag bei uns am Goethe-Gymnasium nachhaltig geprägt hat.
Wir sind eine kleine, aber feine Schule mitten in der Stadt. Und dass wir mit unserem Bemühen umeinen guten Lernerfolg aller Schüler*innen unterwegs sind, ist ein Merkmal des „nahe am Menschen“. Das bringt auch das Motto des Goethe auf den Punkt. Dafür bin ich sehr dankbar.
Dankbar bin ich den Lehrer*innen, die diesen Weg gestaltet und gelebt haben. Dankbar bin ich Ihnen als Eltern, die Sie sich darauf eingelassen haben.
2. Damit bin ich beim zweiten Anliegen. Schule kann nur dann gelingen, wenn wir als Schulgemeinschaft gemeinsam unterwegs sind. Das bedeutet, dass alle am Schulleben Beteiligten ihren Beitrag leisten.
An unserer Schule leben und arbeiten sehr vielfältige und unterschiedliche Menschen. Die spröde Schulpflicht allein stiftet noch keine Gemeinschaft.
Gemeinschaft wird erst dann lebendig, wenn die Beteiligten sich aufeinander einlassen, wenn Sie in den Kontakt gehen und Begegnung geschieht. Ich selbst habe dieses Miteinander ganz besonders erlebt in den vielen Versammlungen der SMV und des Elternbeirats und des großartigen Freundeskreises der Schule.
Die Zusammenarbeit und den Austausch mit den Vertreter*innen der Eltern habe ich stets als sehr konstruktiv und kooperativ erlebt – das ist bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Auch dafür bin ich sehr, sehr dankbar.
Ebenso dankbar bin ich für das Engagement der Klassensprecher*innen, die in der SMV gerade auch in den letzten beiden Schuljahren enormen Einsatz gezeigt haben. Sie können und sie wollen Schule mitgestalten, auch wenn es manchmal mühsam ist. Das ist auch so etwas wie eine Schule der Demokratie.
3. Mein drittes Anliegen schließlich sind die sogenannten weichen Fächer Sport, Musik und Kunst. Es ist nicht von ungefähr, dass wir für diese drei Fächer gerade in der Klassenstufe fünf in der Summe achtStunden und in der Klassenstufe sechs immer noch sechs Stunden vorgesehen haben. Das ganz besondere Angebot der Streicher- und der Singklasse verstärkt diesen Schwerpunkt; Ethik und Religion spielen hier ebenfalls eine Rolle.
Die Hauptfächer wie auch die naturwissenschaftlichen Fächer haben fraglos ihren selbstverständlichen Stellenwert. Ganzheitliche Menschenbildung wird jedoch niemals ohne die scheinbar nebensächlichen Fächer auskommen. Sehr dankbar bin ich dafür, dass wir am Goethe ein breites Einverständnis in dieser Richtung haben.
Sehr geehrte, liebe Eltern,
unser Goethe ist eine bunte und diverse Schule. Nicht wenige unserer Schüler*innen haben einen Migrationshintergrund. Dass wir seit zehn Jahren eine Vorbereitungsklasse haben, ist nur ein Element des interkulturellen Lernens, das wir nach meiner Wahrnehmung an unserer Schule einüben – auch wenn es manchmal nicht einfach ist. Gegen die Widrigkeit der vielen Herausforderungen habe ich immer versucht, die Chancen stark zu machen. Vielen Dank, dass Sie diese Wege mitgegangen sind.
Und schließlich: Der „Neue“ steht bereits vor der Tür. Ab dem 1. August 2026 ist Herr Thilo Feucht Schulleiter des Goethe-Gymnasiums. Ihm wünsche ich eine glückliche Hand in allem Tun und Lassen. Bitte unterstützen Sie ihn, so wie Sie in den vergangenen Jahren meine Bemühungen unterstützt haben.
Bitte erlauben Sie mir, dass ich meinen letzten Brief an Sie mit einem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe beschließe. Es stammt aus seinem Buch der West-östliche Diwan, in dem er sich mit derorientalischen Kultur insbesondere mit dem islamischen Mystiker Hafis auseinandergesetzt hat. Dieses Zitat scheint mir mehr denn je für uns Heutige wie auch gerade für unsere vielfältige Schüler*innenschaft hilfreich zu sein. Darin heißt es:
Gottes ist der Orient!
Gottes ist der Okzident!
Nord- und südliches Gelände
Ruht im Frieden seiner Hände.
Seien Sie herzlich gegrüßt von
Dr. Wolfgang Michalke-Leicht

(zusammengestellt von M. Mühlich)
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